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Insolvenz der KTG-Agrar SE: Anfang vom Ende der Agrar-Großbetriebe?

Die KTG Agrar SE hat am 04.07.2016 Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg gestellt und Eigenverwaltung beantragt.
Auf Anleihen in Höhe von insgesamt 250 Mio €, waren am 06.06.2016 -Zinsen in Höhe von 17,8 Mio € fällig, die nicht bezahlt werden konnten.

Triumph des Familienbetriebs?
Im Sender Deutschlandradio Kultur triumphierte Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbund Brandenburg, am 01.08.2016 in einem Gespräch mit den Sätzen „Familienbetriebe können es besser“ und „Je mehr Bauern, desto besser“.
Verwunderlich ist, daß bei der derzeitigen Milchpreiskriese Familienbetriebe am meisten jammern, während professionell geführte Großbetriebs oft nur aus Solidarität jammern.
Es gibt tatsächlich Großbetriebe, die auch bei den derzeitigen Milchpreisen keine Verluste machen.

Landwirtschaft nach dem Schneeballsystem?
Wesentliche Ursachen der Insolvenz KTG-Gruppe liegen im ungehemmten Wachstum auf Kredit, in der schmaleren Kapitalbasis – insbesondere Eigenkapital, in unzureichender Liquidität die eine direkte Auswirkung auf die landwirtschaftliche Produktion hat (wer Dünger, Pflanzenschutz, Diesel etc. nicht bezahlt, kann auch nicht zum richtigen Zeitpunkt wirtschaften). Und vielleicht waren auch die falschen Leute vor Ort und im Management. Kurzgefaßt: Unternehmerisches Versagen.

Investorengier
Es wurde ein opulenter Zins von 7,125 % geboten, der Gegenwert ist ein opulentes Risiko. Es war die Gier der Anleihekäufer, die diese abenteuerliche Finanzierung ermöglichte. Es ist nun mal so: Hoher Zins, hohes Risiko.
Und die Gier machte auch blind. Jetzt stellte Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, Dr. Stephan Greger fest, daß der Vorstandsvorsitzende der KTG Agrar, Siegfried Hofreiter, im September 2002 vom Amtsgericht Dachau in jeweils zwei Fällen wegen Konkursverschleppung und Bankrotts verurteilt wurde.
Darüber hinaus seien zwei weitere Unternehmen, in denen Hofreiter als Geschäftsführer fungierte, in Insolvenz gegangen. Bei allen vier Unternehmen sei der Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt worden. Deswegen durfte er für fünf Jahre nicht mehr als Geschäftsführer einer Kapitalgesellschaft arbeiten. Für die KTG Agrar, damals noch eine GmbH, hatte Hofreiters Lebensgefährtin die Geschäfte geführt. 2005 übernahm er die Leitung der Firma, für die er beim Börsengang 2007 Investorengelder für seine Expansion einsammelte.
Das hätten Investoren schon früher erfahren können, wenn sie sorgfältig recherchiert hätten. RA Greger meint, das sei ein aufklärungspflichtigen Umstand gewesen, der den Anleihegläubigern jetzt Schadensersatzmöglichkeiten eröffnet.

Fazit:
Ein gigantisches Schneeballsystem in Verbindung mit unternehmerischem Versagen gepaart mit der Investorengier sind die Ursachen für die Pleite. Damit ist aber nicht der Anfang vom Ende der Großbetriebe eingeläutet.
Das Familienidyll des Bauernbunds Brandenburg ist trotzdem keine zukunftsfähige Alternative.

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